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Was ist „Politik von Aldi“?

Mittwoch, Juni 13, 2007

(Foto: underpuppy)

Stell‘ dir vor, du gehst einkaufen – bei Aldi – und im Regal steht neben den Zimtchips Politik. (Oder wo würde Politik bei Aldi wohl zu finden sein?)

Warum ich mich das frage? Darum: Der Sänger der Band ‚Element of Crime‘, Sven Regener, nannte jüngst in einem Interview die Bemühungen von Bono und Herbert Grönemeyer („Deine Stimme gegen Armut“) so: Politik von Aldi.

Will man herausfinden, was er damit meint, muss man zunächst klären:

Was ist Aldi?

Aldi ist eine Billig-Supermarkt-Kette, oder neudeutsch ein Discounter. Die Ware dort ist überwiegend gut, qualitativ aber wohl nicht besonders hoch. Ein Ökotest-Fazit über Aldi-Produkte zum Beispiel lauetete „Günstiges ist nicht immer gut!„. 56 Artikel wurden untersucht:

38 Produkte weisen keinen oder nur einen kleinen Mangel auf und schneiden mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Das mittelmäßige „befriedigend“ wurde sieben Mal vergeben. Elf Produkte müssen sich allerdings mit den Noten „ausreichend“, „mangelhaft“ oder „ungenügend“ zufrieden geben.

Aldi ist nicht schön. Und eng. Ein Einkauf dort beflügelt wahrscheinlich nur wenige und mit viel Fantasie ausgestattete Köche dazu, Gourmet-Rezepte zaubern zu wollen. Das Sortiment dort ist verhältnismäßig schmal, es gibt kaum Markenware. Aldi ist „Low-Food“ für anspruchslose Gaumen.

Bei Aldi kaufen Leute mit wenig Geld ein, weil sie müssen, oder Leute mit viel Geld, weil sie wollen. So oder so: wer zu Aldi geht, spart. Und das macht Aldi reich. Beides führt dazu, dass die Supermarktkette auf der ganzen Welt expandiert. Vor allem Computer und Klamotten laufen gut.

Aldi steht oft in der Kritik. Die Mitarbeiter haben keinen Betriebsrat und es gibt keine gewerkschaftliche Organisation. Auch wirft man Aldi Ausbeutung in der Rohstoffgewinnung und Umweltzerstörung vor.

So gesehen schneidet Aldi als das, was es ist und dem, was es macht, insgesamt wohl eher schlecht ab.

Und Politik von Aldi?

Hm, was würdest du von diesem Produkt in diesem Laden halten? „Naja, geht so“ vielleicht. Oder: „Reicht, um satt zu werden“. In jedem Fall nicht besonders viel.

Wenn der Sänger von ‚Element of Crime‘, Sven Regener, also von den Sängern Bono und Herbert Grönemeyer sagt, ihre Bemühungen um Gerechtigkeit für Afrika seien „Politik von Aldi“, meint er also, sie sei nicht gut und von geringer Qualität.

Er erklärt das so:

„Ich weiß auch nicht, ob ich es unbedingt brauche, dass mir Herbert Grönemeyer die Welt erklärt. Ich weiß auch nicht, wie er auf die Idee kommt, plötzlich schlauer zu sein als alle anderen. Das gilt auch für Bono. Wie kommen die beiden auf die Idee, dass sie politisch schlauer wären als der Tischler nebenan. Das ist mir einfach nicht klar“, so Regener.

Und:

„Was ist das überhaupt für eine Politik, einfach gegen Armut zu sein? Es steht ja keiner auf und sagt: ‚Hey, ich bin aber für Armut, ich finde das geil! Wenn das überhaupt Politik ist, was die da machen, dann ist das Politik von Aldi. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Das ist doch nicht politisch, das ist einfach nur Wichtigtuerei.“ (Quelle: Netzeitung)

Keine Ahnung, ob Bono und Grönemeyer von sich überhaupt behaupten, Politik zu machen. Sie machen aber was – und das ist erstmal gut. Wie schlau sie sind? Wer weiß es. Vermutlich aber können sie ihre Schlauheit mit jedem Politiker messen. Wer Politik macht, muss ja nicht automatisch schlau sein…

Naja. Am Ende bleibt die Frage:

Sollten Bono und Herbert Grönemeyer ihre Politik lieber bei Rewe kaufen? Oder bei Marktkauf? Und: wäre sie dann besser?

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2 Responses to “Was ist „Politik von Aldi“?”

  1. Niky Says:

    Alle Politik is doch von Aldi, oder? Is alles scheisse°!°!°!

  2. Ben08 Says:

    Ich finde es gut, wenn Prominente was machen, damit es gerechter wird. Die nur ihr Geld ausgeben und sonst nix finde ich schlimmer. Daher kann ich nicht sagen das ist billig wie Aldi.


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