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Deutschland, deine Unterschicht

Montag, Oktober 16, 2006

Wer oder was ist die Unterschicht?

Bilder dieser Menschengruppe findet man nicht, jedenfalls nicht bei Google oder sonst wo im Netz. Vielleicht wohnen sie in solchen Häusern.
Einer aktuellen Studie zufolge sollen acht Prozent aller Deutschen zu dieser neuen Unterschicht gehören. Damit findet ein alter Begriff neues Gehör – endlich. Denn neu ist es nicht, dass es viele arme, oft arbeitslose und weniger gebildete Menschen am Rande der Gesellschaft gibt, die für sich jede Perspektive verloren haben.

Nur hat sich niemand drum gekümmert.

Das Wort Unterschicht gibt es, seit es das Wort Oberschicht gibt.

Es hat mit wenig Besitz zu tun und mit wenig Bildung. So wie Oberschichtler ihren Kindern Geld, Reichtum und oftmals das Wissen darum, dies zu vermehren und clever einzusetzen, vererben, geben eben Unterschichtler ihren Kindern das genaue Gegenteil mit: wenig Geld, Bildung und Zukunftsperspektiven. Leute aus der Unterschicht haben nichts mehr zu verlieren. Und sie haben es schwerer.

Das ist nicht erst seit letzter Woche so. Vielleicht aber nannte man die betroffenen Menschen bis dahin eher noch ’sozial schwach‘. Nun jedenfalls hat sich zu Becks Worten eine noch nicht veröffentlichte Studie gesellt, die mal näher hin sieht. Näher auf die neue Unterschicht, die Schicht die nicht neu ist, sondern man einfach vergessen hatte.

SPD-Chef Volker Beck brachte die Unterschicht letzte Woche auf den Tisch, als er anmerkte: „Es gibt zu viele Menschen in Deutschland, die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen. Sie finden sich mit ihrer Situation ab. Sie haben sich materiell oft arrangiert und ebenso auch kulturell.“ .

Früher allerdings, so Beck weiter, habe es das elterliche Bestreben „Meine Kinder sollen es einmal besser haben“ gegeben. Beck sieht heute die Gefahr, daß dieses Streben in Deutschland verloren gehe.

Der SPD-Chef sagte außerdem: „Manche nennen es ,Unterschichten-Problem‘. Es gibt Fernsehsender, bei denen regelrecht von Unterschichten-Programmen gesprochen wird.“.

Die übrige SPD nahm von diesem Begriff schnell Abstand, man schließe sich der Wortwahl Becks nicht an, hieß es. Man wolle niemanden diskriminieren. Stattdessen machte man sich auf die Suche nach dem Schuldigen, der schnell Gerhard Schröder genannt wurde. Er habe schließlich Hartz IV auf den Weg gebracht, so die Vermutung, und Hartz IV habe zur schärferen Spaltung der Gesellschaft in arm und reich geführt. Viele Menschen, so wird vermutet, seien dadurch in die Unterschicht getrieben worden.

Zehn bis 15 Prozent der unter 18-Jährigen zählen zur Unterschicht“, heißt es da. Ein Viertel aller ostdeutschen Jugendlichen verharre in dieser Ausweglosigkeit, besonders betroffen seien Jungs. In der Gruppe der Migranten gehe die Zahl bundesweit sogar auf 30 bis 35 Prozent nach oben.

Deutlicher als der SPD-Chef bringt die Studie auf den Punkt: Während in den Haushalten gebildeter Eltern nur rund zehn Prozent der Kinder im Alter von zehn Jahren einen eigenen Fernseher oder eine eigene Playstation besitzen, sind es in den sozialen Unterschichten 57 Prozent. „Die Kinder vergammeln am Nachmittag“, heißt es deutlich, „weil das Schulsystem ihnen keine Angebote macht, durch die sie Lust auf Leben bekommen“.

Und weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmern.

Nun glauben viele Politiker, die Hauptschulen müssten abgeschafft werden, weil sie sozial schwache Kinder bislang nicht ausreichend gefördert habe. Und außerdem müssten sich der Staat und die Schulen um eine bessere Förderung dieser Kinder kümmern.

Und was ist dann mit ihren Eltern?

Die Hoffnung ist, den Kreis zu durchbrechen. Soziale schwache Kinder sollen vom Staat an die Hand genommen werden, um zu erlernen, dass ihre Zukunft besser aussehen kann, als die ihrer Eltern. Schaffen sie es, aus diesem negativen Kreis herauszutreten und ihr Leben positiv zu gestalten, dann werden sie dies wiederum an ihre eigenen Kinder weitergeben.

Bundeskanzlerin Merkel sagte heute, die Bundesregierung werde sich „nicht damit abfinden, diese Spaltung der Gesellschaft zu akzeptieren“. Kinder müßten „von Anfang an ihre Chance bekommen“. Man müsse Kinder schon früh fördern, damit sie bei der Einschulung „ähnliche Chancen“ hätten.

 

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