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Kalter Wind Richtung Kanzlerin

Montag, Oktober 2, 2006

(Foto: cgommel)

Als Politiker muss man hart gesotten sein. Als Politikerin erst recht. Denn Politik ist unberechenbar: Wer heute groß gefeiert wird, den kann schon morgen der Mob fressen. Der Mob, das sind die Konkurrenten der anderen Partei. Im schlimmsten Falle die Kollegen der eigenen.

Das weiß auch Kanzlerin Merkel und hat gelernt, damit umzugehen. Schließlich greift man sie nicht erst an, seit sie Kanzlerin ist. Sie hat gelernt, sich im ‚männlichen Terrain‘ auf der Politikbühne zu bewegen. Und sich durchzusetzen, sonst wäre sie kaum Kanzlerin.

Jetzt herrscht in Deutschland ‚Anti-Merkel Stimmung‘. Die Umfrageergebnisse der Regierungschefin sind miserabel wie nie zuvor und just in diesem Moment geben auch die wichtigsten Ministerpräsidenten der Bundesländer (einer aus der CSU, alle anderen CDU) bekannt, sie wollen sich von der Kanzlerin ‚abschotten‘.

Chaos im politischen Berlin.

Vor Ort eine Kanzlerin, die endlich „auf den Tisch hauen soll“, aber selbst nicht will, weil sie „keine Basta-Kanzlerin“ sei. Solche gab es: Helmut Kohl zum Beispiel war so ein deutscher Regierungschef, der klar sagte, wo der Hase langlaufen soll. Das war zwar sehr bestimmt, leider nicht immer richtig.
Aber Angela Merkel ist eine Frau. Und trotz aller Errungenschaften der Gleichberechtigung wird es ihr schwer fallen, sich zu gebärden, wie es Männer in der Regel tun und sich wünschen. Damit haben die männlichen Kollegen offenbar Schwierigkeiten. Vielleicht wäre ihnen ein Kollege lieber, der wenigstens so tut, als wüßte er, wie’s geht. Einer, der stark und entschlossen ruft: „Da lang!“. Auch, wenn es Blödsinn wäre.
Doch es ist, wie es ist: Politiker und Ministerpräsidenten tun so, als hätten sie mit all dem Chaos, das in Berlin gerade herrscht, gar nichts zu tun. Dabei hat man selten eine Regierung erlebt, in der so viele Köche ihren Senf dazu tun, wie in dieser. Die Nachrichten sind voll von Politikern, die es besser wissen und solchen, die bemängeln, aber auch keine Ideen haben. Es ist müßig, sich all das noch anzuhören oder durchzulesen, denn es wirkt wie ein Affentheater.

Die Meldungen um die Regierung machen einen schwindelig. Und bevor man sich mit einer Meldung beschäftigt, sollte man ein paar Tage vergehen lassen. Dann erst zeigt sich oft, ob es wirklich eine war, die tatsächlich ernstzunehmen ist. Nicht jede Meinung eines Politikers ist wirklich wichtig.
Oft ist weniger mehr.

Und in der Ruhe liegt die Kraft. Vielleicht sammelt sich Angela Merkel gerade. Vielleicht erfüllt sie bald den Wunsch nach einem „klaren Führungsstil“ der Chefin. Oder sie zaubert etwas gänzlich Neues in der Regierungsetage – etwas weibliches.

Egal, ob man Angela Merkel mag oder nicht: Die Regierungspräsidenten, die gerade behaupten, die Kanzlerin habe ihren Posten nur aus eigenem Interesse erhalten, müssten sich selbst hinterfragen. Und zwar ehrlich. Denn klar ist – Politiker wird nur, wer sich gerne selbst inszeniert, Macht anstrebt und es versteht, Konkurenten aus dem Weg zu räumen.

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