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KK-Kommentar: Kinderarmut – eine Schande für Deutschland!

Donnerstag, August 31, 2006

Sehr geehrte Politiker unseres Landes,

jedes zehnte Kind im unserer Republik ist arm. Etwa 2,5 Millionen Kinder leben auf Sozialhilfeniveau. Das ist der erschreckende Bericht, den gestern die Kinderhilfsorganisation UNICEF bekannt gab.

Es geht nicht darum, dass diese Kinder hungern. Zum Essen reicht es offenbar gerade noch. Doch ihre Ernährung ist mangelhaft. Zudem leben sie isloliert in dieser Konsumgesellschaft, an der man nur teilhaben kann, wenn das nötige Geld vorhanden ist. Selbstverständlichkeiten wie Kino oder Sportangebote sind aus Geldmangel vieler Familien nicht drin.

Dafür sind Sie verantwortlich, Ihre fortlaufenden Hartz IV-Regelungen und die Familienpolitik!

Das Kindergeld, welches der Staat den Eltern monatlich für jedes Kind überweist, wird Hartz IV-Empfängern angerechnet. Neben dem Unterhalt aber ist dieses Geld zweckgebunden, nämlich für die Kinder.

Der Unterhalt für ein Kind, welches bei einem alleinerziehenden Elternteil mit Hartz IV lebt, wird als „Einkommen der Bedarfsgemeinschaft“, also als Einkommen der Familie, in einen Topf geworfen. Die Kinder aber sehen von ihrem Geld nichts mehr, weil es von den betroffenen Arbeitslosen für die Miete und alle anderen Rechnungen ausgegeben werden muss. Was schließlich übrig bleibt ist so knapp, dass z.B. ein Kinobesuch kaum machbar ist.

Der Staat bereichert sich damit an dem Einkommen der Kinder. Er verrechnet es mit Zahlungen, die der Sozialstaat zu leisten hätte und holt sich sein Geld wieder.

Selbst, wenn Eltern einen geringfügig bezahlten Job annehmen, wird dieses Geld angerechnet, anstatt es der Familie zu Gute kommen zu lassen. Es ist auf diese Weise unmöglich, der Armut zu entkommen.

„Besonders schwierig ist die Situation in Familien mit nur einem Elternteil. Fast 40 Prozent der Alleinerziehenden und ihre Kinder sind relativ arm. Und sie bleiben es auch oft sehr lange“, schreibt UNICEF.

Alleinerziehende Hartz IV-Empfängerinnen erhalten einen Mehrbedarf für ihre Kinder. Dieser verringert sich erheblich, sobald die Kinder ihr siebtes Lebensjahr erreichen. Dabei wollen sie gerade ab da am sozialen und kulturellen Leben teil haben. Und dass größere Kinder mehr Essen als kleine, muss nicht erwähnt werden. Wie können Sie diese Ungerechtigkeit rechtfertigen?

Die Familienpolitik zahlt Eltern einen Gewinn, wenn sie arbeiten gehen und ihre Kinder fremd betreuen lassen.

Sie tut aber nichts für flexible Arbeitszeiten, die Eltern auch noch erlauben, am Tag mehr als zwei Stunden mit ihren Kindern zu verbringen. Sie tut nichts dafür, dass Kinder ein zu Hause haben, in denen Liebe und Geborgenheit an erster Stelle stehen können, weil sich niemand sorgen um unbezahlte Rechnungen machen muss. Es macht den Eindruck, als sei diese Familienpolitik kühl und im Sinne des Staates kalkuliert, nicht im Sinne der Kinder.

Diese Familienpolitik gaukelt uns vor, es sei völlig normal, die Kinder den ganzen Tag in Einrichtungen zu geben. Es soll schon Eltern geben, die empfinden sich als komisch und als Außenseiter, weil sie ihre Kinder dort nicht hingeben, sondern sie nach der Schule mit nach Hause nehmen. Um ihre Hausaufgaben zu betreuen, mit ihnen zu spielen, Sport zu machen, Kinderbesuch zu bekommen. Das ist absurd!
Kinder brauchen ein zu Hause. Kinder brauchen nicht nur Bildung. Sie sind keine Maschinen, die man rein an Pisa-Studien ausrichten kann. Sie brauchen ebenso Werte, die ihnen vermittelt werden. Das kann keine Betreuungseinrichtung leisten. Das kann nur ein gutes zu Hause. Das können nur Eltern, die nicht unter dem Druck stehen, dass beide rund um die Uhr arbeiten gehen müssen. Das können nur Alleinerziehende, die Möglichkeiten für einen Halbtagsjob erhalten, um sich um ihre Kinder kümmern zu können, und dennoch keine existenzbedrohliche Geldnot haben.

Ganz davon abgesehen wird es der berechtigte Wunsch der meisten Kinder sein, die Zeit nach der Schule zu Hause mit einem Elternteil, den Geschwistern und Freunden zu verbringen.
Ich schließe mich an und bitte Sie, den von UNICEF geforderten Aktionsplan zur Reduzierung der Kinderarmut schnellstmöglich umzusetzen!

Tanja Taube

Zu diesem Thema gibt es eine Petition:

Arbeitslosengeld II: Kindergeld und Unterhaltszahlungen für Kinder

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