Home

Hintergrund: Der Krieg zwischen Hisbollah und Israel

Dienstag, August 1, 2006

Die Hizbollah ist eine Untergrundorganisation im Libanon, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Israel anzugreifen, um dieses Land schließlich zu zerstören.

Der aktuelle Nahostkrieg wurde ausgelöst, weil die Hizbollah zwei israelische Soldaten in Gefangenshaftgenommen hatte.
Wie viele unnötige Kriege, so ist auch der aktuelle Krieg zwischen der libanesischen (Terror-) Organisation Hisbollah und Israel ein Krieg, dessen Wurzeln weit zurück in der Geschichte zu finden sind.

Beinahe unüberschaubar sind die Verstrickungen dieses Krieges: Hizbollah, Israel, Libanon, Syrien, PLO, Iran, USA – viele Organisationen, Länder und Politiker mischen mit. Wer sonst nicht so viel über den Nahen Osten nachdenkt, ist da leicht überfordert.

Jeder Krieg ist eigentlich unbegreiflich.

Dieser Krieg kam plötzlich.

Aber ihm ging eine Entwicklung voraus.

Woran lag es, dass der Krieg zwischen Hisbollah und Israel zustande kam?

Der Kinder Kurier versucht, mal ganz von vorne anzufangen:

Palästina

Die Region Palästina wurde bereits Jahrtausende v. Chr. von verschiedenen Völkern mit unterschiedlichsten Glaubensrichtungen besiedelt. Auf dem gesamten Gebiet gab es seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. zahlreiche Stadtstaaten, viele Völker lebten hier nebeneinander und regierten sich selbst. Einen übergeordneten Staat Palästina gab es nicht.

Im 10. Jahrhundert v. Chr. wanderten zunehmend Juden in das Landesinnere. Unter König Saul entstand das erste israelitische Königtum. Nach seinem Fall durch die Römer wechselte in Palästina mehrmals die Herrschaft und die Juden wurden vertrieben. Die Juden haben immer wieder versucht, ihr Königreich Israel zurückzuerobern.

Fast 2000 Jahre lang lebte das jüdische Volk in der weltweiten Zerstreuung ( auch ‚Diaspora‘ genannt).

Ende des 19. Jahrhunderts steigerte sich die massive Judenverfolgung in Rußland und Europa.

Millionen Juden wurden im Nazi-Deutschland umgebracht (Holocaust). So forderte der österreichische Schriftsteller Theodor Herzl die internationale Völkergemeinschaft auf, den Juden eine nationale Heimatstätte zu gewähren. Als Ort eines Jüdischen Staates wurde Palästina ausersehen, es galt als das Land der Väter, in das nach dem Glauben der Juden der Messias sein Volk zurück führen werde. Mehr und mehr Juden hatten sich dort bereits eingefunden und Land gekauft, welches sie kultivierten.
Die in Palästina ansässigen Araber, die Palästinenser, fühlten sich durch die ansteigende Einwanderung der Juden, besonders nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und nach dem Zweiten Weltkrieg, in die Enge getrieben. Schon bald kam es zu Auseinandersetzungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen Juden und Arabern.

Dieser arabische Widerstand gegen die jüdische Einwanderung trug zum Erwachen eines eigenen Nationalbewusstseins der palästinensischen Araber bei. Der Konflikt konnte nicht gelöst werden. Schließlich beschloss die Vollversammlung der UN (United Nations; Vereinte Nationen) 1947 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die Juden akzeptierten den Teilungsplan, die arabischen Regierungen und die Palästinenser lehnten den Teilungsplan ab.

Aus dieser Situation erwuchs der bis heute ungelöste Nahostkonflikt.

1948 erklärten die Juden Israel zu ihrem eigenen Staat. Viele Palästinenser wurden vertrieben, einige gingen freiwillig.

Israel


Einen Tag nach dem UN-Beschluss für einen israelischen Staat begann zwischen Palästinensern und jüdischen Einwanderern ein Bürgerkrieg. Ein Jahr nach seiner Gründung wurde Israel von den umliegenden arabischen Staaten (Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon und Irak) angegriffen. Israel jedoch gewann diese Kämpfe und eroberte währenddessen noch mehr Gebiete, die es auch behielt. Damit erlangte Israel eine größere Fläche, als es der UN-Teilungsplan vorgesehen hatte.

1967 kam es an Israels Nordgrenze zu Syrien zu kleinen Gefechten. Daraufhin eröffnete Israel den „Sechs-Tage-Krieg“, in dem es Jordanien das Westjordanland, Agypten den Gaza-Streifen, Syrien die Golanhöhen und die Halbinsel Sinai einnahm. Israel hatte nun fast die gesamte Fläche des ehemaligen Palästina errungen.

Der UN-Sicherheitsrat forderte von Israel den „Rückzug israelischer Streitkräfte aus Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden“. Die arabischen Staaten wurden ermahnt, Israels Recht „innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen in Frieden zu leben, frei von Drohungen und Akten der Gewalt“ anzuerkennen.

Mit dem Rückzug aus dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland – bis an die grüne Linie vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 – ließ Israel jedoch bis vor einem Jahr warten.

PLO (Palestine Liberation Organization)

Die palästinensische „Organisation zur Befreiung Palästinas“ gründete sich 1964. Sie erkennt den UN-Teilungsplan von 1947 nicht an und erklärt die Gründung des Staates Israels für illegal. Ziel der PLO ist es, Palästina mit Waffengewalt zu befreien und den israelischen Staat zu vernichten. Die Kämpfe der PLO gegen Israel blieben weitgehend erfolglos. Über Jahrzehnte folgten immer wieder Terroranschläge der PLO auf zivile Personen im In- und Ausland.

Die PLO wirkte zunächst von Jordanien aus. Nach einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt mit der jordanischen Regierung Anfang der 70-er Jahre aber wurde die PLO aus Jordanien vertrieben. Daraufhin verlegte die PLO ihre Basis nach Libanon.

Dort schuf sie sich im Süden des Landes eine von der libanesischen Regierung unabhängige Operationsbasis, von der aus sie seither Aktionen gegen den Norden Israels unternimmt.

Die Palästinenser leben seit 1994 in sogenannten „Autonomiegebieten“, die von Israel kontrolliert werden. Ein eigener palästinensischer Staat sollte bereits 1999 ausgerufen werden. Bis heute aber gibt es ihn nicht, denn es ist unklar, welches Gebiet er umfassen soll und kann.

Der Nahostkonflikt beruht also darauf, dass die Palästinenser einen eigenen Staat fordern und Israel seine Anerkennung verlangt.
Libanon

Der Libanon grenzt an Syrien, Israel und das Mittelmeer.

Bis 1920 war der Libanon von Frankreich besetzt. Seit 1926 ist der Libanon eine Republik und die einzige parlamentarische Demokratie im arabischen Raum.

1941 erlangte das Land seine Unabhängigkeit. Wegen seiner wirtschaftlichen Stabilität und politischen Neutralität wurde der stark westlich bzw. französisch geprägte Libanon in den 1950er und 1960er Jahren auch als „Schweiz des Orients“ bezeichnet. Die Hauptstadt Beirut galt aufgrund ihres hohen kulturellen Niveaus auch als „Paris des Nahen Ostens“.

Die Relionszugehörigkeit der Libanesen teilt sich – neben kleineren Glaubensrichtungen – in Muslime (ca. 60 %) und Christen (ca. 40 %).
Da seit 1967 zunehmend palästinensische Organisationen wie die PLO politischen Einfluß nahmen, kam es 1975 zum Libanesischen Bürgerkrieg. Die Ursache des Krieges lag in der zunehmenden Verbreitung der PLO im Süden Libanons, die von dort aus Israel attackierte. Die PLO errichtete im Libanon einen eigenen bewaffneten ‚Staat im Staate‘. Hauptgegner des Bürgerkrieges waren christliche Milizen (militärische Organisationen, die unabhängig vom Staat wirken) und Palästinenser, deren Kampf von einigen Muslimengruppen unterstützt wurde.

Im Verlauf des Bürgerkriegs gab es zunehmend Auseinandersetzungen zwischen Libanesen und Palästinensern.

1978 drang Israel in den Süden Libanons ein, um die palästinensischen Angriffe auf Israel zu beenden. Da diese Offensive ohne Erfolg blieb, stieß die israelische Armee 1982 erneut in den Libanon vor. Dies war der Beginn des Libanonkrieges, der also parallel zum Bürgerkrieg stattfand. Israel belagerte danach die libanesische Hauptstadt Beirut und zwang die PLO zum Rückzug aus dem Libanon. 1985 zog Israel seine Truppen aus Libanon ab, behielt aber zunächst im Süden eine Sicherheitszone.Im Mai 2000 zog Israel sich schließlich aus dem besetzten Südlibanon zurück.

Den Bürgerkrieg konnte indes auch ein Einsatz internationaler Truppen nicht beenden. Friedenskonferenzen blieben erfolglos. Erst 1989 kam es zu einem Friedensabkommen in dem man beschloß, das neue Parmament in gleichem Verhältnis von Muslimen und Christen zu besetzen. Die neue Regierung schloß 1991 einen Bruderschaftsvertrag mit dem Nachbarland Syrien.

Die folgenden libanesischen Regierungen konzentrierten sich auf den Wiederaufbau des völlig zerstörten Landes.
Hizbollah

Der aktuelle Nahostkonflikt findet nicht zwischen Israel und dem Libanon statt, sondern zwischen Israel und der Untergrundorganisation Hizbollah, die sich im Süden des Libanons angesiedelt hat.

Die Hizbollah („Partei Gottes“) ist eine radikale islamische Organisation. Sie entstand 1982 und wurde als Miliz ((militärische Organisationen, die unabhängig vom Staat wirken) zum Kampf gegen den israelischen Einmarsch im Libanon gegründet. Auch nach der Beendigung des Libanesischen Bürgerkrieges behielt die Hizbollah ihre antiisraelische Haltung bei.

Mittlerweile ist sie auch als politische Partei in der libanesischen Regierung vertreten. Die Hizbollah unterhält enge Kontakte zur palästinensischen Hamas, der politisch religiösen Bewegung der Palästinenser. Ziel der Hizbollah ist die Auslöschung Israels.

Da auch der Iran dieses Ziel verfolgt, unterstützt er die Hizbollah mit Waffen und viel Geld. Der Stützpunkt der Hizbollah an der direkten Grenze zu Israel eignet sich für den Iran strategisch gut für Angriffe.
Nach dem Rückzug israelischer Truppen aus dem Libanon 1985 entstand im Südlibanon eine unkontrollierte Zone, in der sich die Hizbollah-Miliz ausbreitete. Von dort aus führte sie weiterhin Anschläge aus Israel aus.

Man geht davon aus, das die Palästinenser, die iranische Regierung und die Hizbollah alle Schritte gegen Israel gemeinsam planen. Vermutet wird dabei, dass kürzlich auch Geiselnahmen zum weiteren Vorgehen der drei Verbündeten ausgemacht wurden.
Da sich die Hizbollah gesellschaftlich und sozial stark im Libanon engagiert, z.B. mit eigenen Schulen und Krankenhäusern, erhält sie von der Bevölkerung teilweise großes Ansehen. Der Rückzug Israels im Jahre 2000 soll weitestgehend auf den unnachgiebigen Angriffen der Hizbollah beruhen, was von vielen Libanesen ebenfalls bewundert wird. Die Miliz soll über etwa70.000 Soldaten und weitere Kämpfer verfügen.

Seit 1991 hat es vom Südlibanon aus immer wieder heftige Angriffe der Hizbollah-Miliz auf Israel gegeben, bei der viele unschuldige Menschen ums Leben kamen.

Da die Hizbollah für viele westliche Regierungen als Terrororganisation gilt, lehnen Politiker wie George W. Bush den direkten Dialog mit der Führung der Hizbollah ab.

Kritiker aber meinen, dass nur über Verhandlungen mit allen Beteiligten ein rasches Ende des Krieges zu erreichen sei.

©Der Kinder Kurier (Tanja Taube)

http://www.kinderkurier.de
Weitere Infos zum Hintergrund:

„Kriegskinder in Israel“ VHS-Film (FSK 12) FWU Institut für Film und Bild

„Israel“ Informationen zur politischen Bildung – Bundeszentrale für politische Bildung

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

Advertisements

5 Responses to “Hintergrund: Der Krieg zwischen Hisbollah und Israel”

  1. Ulrike Says:

    Danke, Frau Taube, das ist ein sehr informativer Artikel, der sicherlich in meinem Unterricht Verwendung finden wird. Tolle Seite, weiter so!

  2. Funken, Melanie Says:

    Vielen Dank!!! Konnt ich für mein Referat sehr gut gebrachen!


  3. Hey, das freut mich aber…! ;o))

  4. name Says:

    voll cool! jetzt blick ich da wenigstens mal durch…

  5. Justine Says:

    Das is echt klasse habe im Ethik unterricht eine 1 bekommen mit hilfe dieser seite…
    Aufgabenstellung war einen konflikt zwischen staaten darzustellen. Ich suchte mir wegen diesem artikel den konflikt zwischen Israel und Hisbollah raus…

    danke!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: